Astra-Pleite ist kein Ruhmesblatt für Aufsicht ...

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Astra-Pleite ist kein Ruhmesblatt für Aufsicht und Verbraucherschützer

28.08.2015

Astra-Pleite ist kein Ruhmesblatt für Aufsicht und Verbraucherschützer © Astra Versicherung

Das Assekuranz-INFO-Portal (AIP) hatte bereits am 11. August auf Unregelmäßigkeiten und Probleme hingewiesen, die den rumänischen Versicherer Astra (Societatea Asigurari-Reasigurare Astra S. A.) betreffen. Das Unternehmen ist pleite, meldete die rumänische Versicherungsaufsicht am 27. August. Astra hatte seit Februar 2014 in Deutschland über eine Zweigniederlassung Haftpflicht- und Sachversicherungen vertrieben. Für Makler und deren Kunden gibt es viele offene Fragen. Die Rede ist von Aufsichtsversagen und fragwürdigen Urteilen der Stiftung Warentest.

Vermittler sollten – nachdem der Geschäftsbetrieb der deutschen Niederlassung wohl bereits Anfang August eingestellt wurde – schnell reagieren und die Astra-Verträge umdecken. Sonst drohen in Schadenfällen Klagen der Kunden auf Schadenersatz. Das klang wenige Tage zuvor noch sehr viel weniger ernst. So hatte Dirk Timmermann, Pressereferent Versicherungsaufsicht bei der Bafin, am  24. August noch öffentlich gegenüber dem Versicherungsjournal erklärt, dass allein die Schließung einer Niederlassung eines ausländischen Versicherers keine Konsequenzen für die Versicherungsnehmer habe. Schließlich sei der Vertrag mit dem ausländischen Versicherer zustande gekommen. „Im Falle der Schließung einer Niederlassung teilt die Aufsichtsbehörde des Herkunfts-Mitgliedstaates der Bafin mit, wie die weitere Vertragsverwaltung erfolgt.

„Häufig wird nach Schließung einer Niederlassung die weitere Vertragsbetreuung durch das ausländische Stammhaus vorgenommen“, so Timmermann. Wer sich als Makler oder Kunde mit der Hauptverwaltung in Bukarest in Verbindung setzen möchte, findet auf der Internetseite der Societatea Asigurare – Reasigurare Astra S.A. die Telefon-Nummer (+40) 21 3188080 und ein Kontakt-Formular. Lohnt das überhaupt, von Sprachbarrieren einmal abgesehen? Die rumänische Aufsichtsbehörde ASF will nun gemäß ihrem gesetzlichen Auftrag den Schutz der Kunden in enger Zusammenarbeit mit dem Versicherungsgarantiefonds gewährleisten. Der Fonds habe eine Kapazität von rund 101.000 Euro pro Versicherungsnehmer zu decken, heißt es.

Die Pleite zeigt einmal mehr, dass die Aufsicht im deregulierten Markt versagt. Das liegt an einem Webfehler im System. Denn: Die Astra-Niederlassung für Deutschland wurde von der deutschen Aufsichtsbehörde Bafin zwar im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften beaufsichtigt. Doch dieser Rahmen ist viel zu schwach. Der Versicherer untersteht als EU-Niederlassung der alleinigen Finanzaufsicht der rumänischen Versicherungsaufsichtsbehörde („Sitzlandprinzip“) und die Bafin darf insofern nichts veranlassen. „Es besteht Kontakt mit der rumänischen Versicherungsaufsicht. Mehr darf die Bafin wegen der Verschwiegenheitspflicht in Bezug auf einzelne Unternehmen (Paragraf 84 VAG) nicht sagen“, so Timmermann. Folge: Makler können sich also keine individuelle Rechtshilfe für ihre Kunden erhoffen.

Vermittler sollten also für ihre Astra-Kunden unverzüglich für Ersatz beim Versicherungsschutz besorgen. Sonst droht im Schadenfall die Haftung. „Sollte in der Zwischenzeit bereits ein Schadenfall eingetreten sein, bei dem nun nicht mehr von einer Regulierung ausgegangen werden kann, wird es wohl auf den konkreten Einzelfall des zeitlichen Ablaufs ankommen“, erklärte Rechtsanwalt Norman Wirth. Im Einzelfall könnte durchaus die Haftungsfalle für den Makler zuschnappen.

Dieser Falle wollen Verbraucherschützer, wie die Stiftung Warentest, stets entgehen. Da sie Tests veranstaltet und veröffentlicht, aber keine individuelle Beratung bietet, sieht man sich dort auf der rechtlich sicheren Seite. Dennoch haben die Berliner im Fall von Astra wohl ein schlechtes Gewissen. Bevor überhaupt öffentliche Kritik laut werden konnte, ging die Stiftung Warentest nach Bekanntwerden der Astra-Pleite am 27. August in die Offensive. „Betroffene sollten sich schleunigst neuen Versicherungs­schutz suchen“, heißt es in der online verbreiteten Eilmeldung. Pikant: Die staatlich geförderte Stiftung verwies indirekt auf eine Mitschuld der Bafin: „Für die Rechtsaufsicht über die Tätigkeit der deutschen Niederlassung des Unternehmens ist die deutsche Bafin zuständig. Sie verwies deutsche Kunden des Unternehmens bis kurz vor der Pleite noch auf die Zentrale in Rumänien. Wieso sie nicht einschritt, als die Schließung der deutschen Niederlassung bekannt wurde, hat die Behörde trotz ausdrücklicher Nachfrage bisher nicht erklärt.“

Nach Warentest-Recherche sind die Leistungen deutscher Kunden im Schadenfall zwar über besagten Garantiefonds abgesichert. „Doch der wurde gerade erst gegründet.“ Den Warentestern gelang es nach eigener Aussage vom 27. August nicht herauszufinden, „wo und wie Entschädigungsleistungen zu beantragen sind. Eine Anfrage an die Aufsichtsbehörde in Bukarest blieb bislang unbeantwortet.“ Warum dieser Aufwand der Stiftung für einen Nischenanbieter mit relativ wenigen Policen in Deutschland? Ganz klar: Weil in den relativ simplen und schon häufig kritisierten Tests die Billigheimer meist am besten abschneiden. So auch bei Astra: Im Test Privathaftpflichtversicherung schnitten zwei Astra-Angebote „sehr gut“ ab. Den Tarif „Astra Quality“ hatte Finanztest als eines der günstigsten „sehr guten“ Angebote hervorgehoben.

Im späteren Pleitefall, wie seinerzeit bei einem niederländischen Autoversicherer, ist die Betroffenheit der Warentester dann groß. Auch jetzt will sich die Stiftung elegant aus der Affäre ziehen: „Die finanzielle Leistungsfähigkeit von Versicherern kann die Stiftung Warentest nicht untersuchen und bewerten. Sie untersucht die Versicherungsbedingungen und bewertet diese“, hieß es in der Eilmeldung. Man hatte zwar Hinweise auf die auch 2014 bereits angespannte finanzielle Lage des Unternehmens und strafrechtliche Ermittlungen gegen Astra-Verantwortliche. „Nachdem das Unternehmen die Klärung der Probleme in einer Presseerklärung angekündigt hatte und auch die Bafin seinerzeit nicht gegen dessen Geschäftstätigkeit einschritt, haben wir entschieden, es trotzdem in die Untersuchung aufzunehmen“, so die Stiftung. Es wäre für die Warentester ein Leichtes, Tatsachen zu recherchieren, die für Unternehmens-Ratings typisch sind, oder solche Ratings zu beachten. Auch der Blick in den Geschäftsbericht hätte mehr Klarheit ergeben können.

Detlef Pohl

 

 

Kommentare

friends12@web.de
vor 12 Monate

Mittlerweile weiß doch nun jeder, dass die Ergebnisse eines Vergleiches von Finantest für die Mülltonne sind. Und solange Sie selber nicht haften müssen werden sie weiter so arbeiten. Schon ein Witz dass ausgerechnet diese Herren auf die Marktteilnehmer (die ordentlich recherchieren, weil sie eben dafür haften) noch mit dem Hammer drauhauen, weil diese Provisionsgeier sind. Fragt sich, was denn der Vorstand von Finanztest will :-) :-) :-)

info@hubert-gierhartz.de
vor 12 Monate

Vorrangig sehen die Verbraucherschützer immer nur den Preis oder Prämie. Vereinbarte Leistungen, Herkunft der Waren, damit verbundene Ausbeutung, spielen keine oder nur eine unter geordnete Rolle.
Insbesondere bei den Versicherungsprodukten entschied in der Vergangenheit die Prämie , Ob es sich um einen guten oder schlechten Vertrag handelte. wurde kaum geprüft.
Irgendwann begriffen diese Verbraucherschützer das Vertragsfreiheit in der Versicherungswirtschaft herrscht. Sie mußten sich jetzt auch noch mit den sehr unterschiedlichen Versicherungesbedingungen auseinandersetzen. Da macht man es sich einfach ! Es wird abgehakt . Ob die zugesagten Leistungen in den Versicherungsbedingungen durch das "ja aber" wieder ausgehebelt werden, wird nicht geprüft.
Prämie und versprochene Leistung ergeben das Ergebnis.

"Astra Quality" lt. Stiftung Warentest 100 %

Genau hier endet der Verbraucherschutz.

Was ist aber im Schadensfall ? Genau hier muss die versprochene Leistung eingelöst werden. Eine zügige
schnelle und unkomplizierte Schadensreglierung ist das Maß aller Dinge. Das testen die Verbraucherschützer nicht. Hätten Sie sich mit Astra eingehend beschäftigt, hätten sie festgestellt, dass keine Schadensabteilung in Deutschland eingerichtet worden war. Alleine diese Tatsache wertet das Produkt ab, und hätte jedem zu Denken geben müssen. Aber das haben die Verbraucherschützer ignoriert.
Man stelle sich vor ein Autohersteller hätte kein funktionierendes Werkstattsystem im Lande.

Bleibt wie immer die Frage? Wer schützt uns vor diesen
Verbraucherschützer ? Und wann werden diese endlich in die Haftung genommen.

rolf_no@freenet.de
vor 11 Monate, 3 Wochen

... vielleicht sollten wir zukünftig mehr z. B. auf die Tips in der "4-Buchstaben"-Zeitung achten und hören. Die Redakteure nehmen sich und was sie dort schreiben nicht so ernst und wir wissen dass dort auch niemand haftet und somit ernst genommen werden will.

 

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